Brandicity - "Long Distance"

featuring: Rolf v. Nordenskjöld (b-sax, ld), Eddie Hayes (flhn), Rainer Brennecke (flhn, tp), Finn Wiesner (t-sax), Johannes Gehlmann (g), Marc Muellbauer (b), Björn Werra (b), Kai Schönburg (dr), Stephan Genze (dr)
KatalogNr.: BIT 11359

Helmut Brandt, legendärer Komponist, Arrangeur und Musiker, schrieb deutsche Jazzgeschichte. Die Helmut Brandt Combo war nach dem 2.Weltkrieg in den 50er Jahren ein Meilenstein des Cool Jazz in Deutschland, Helmut Brandt einer der besten und gefragtesten Bariton-Saxophonisten.

Ende der 50er Jahre ging Helmut Brandt zur RIAS BIG BAND, deren Handschrift er als Arrangeur und Musiker bis Mitte der 90er Jahre maßgebend mitbestimmte. Daneben avancierte das "Helmut Brandt Mainstream Orchestra" zu einer Kultband. Im Sommer 2001 starb Helmut Brandt unerwartet mit 70 Jahren.

In hervorragender Weise setzt der Berliner Komponist, Dozent, Big-Bandleader und Saxophonist Rolf von Nordenskjöld das musikalische Erbe Helmut Brandts fort. Rolf von Nordenskjöld, ein Verehrer und Kenner der Musik Helmut Brandts wie kein anderer, gründete nach dessen Tode das Jazz-Septett "Brandicity" (der Name "Brandicity" stammt von einer gleichnamigen Komposition Helmut Brandts).

Es besteht aus Musikern, mit denen Helmut Brandt viele Jahre zusammen musizierte und die die unverwechselbare "Helmut Brandt Musik" stilecht umsetzen können. In Zusammenarbeit mit dem KulturRadio des Rundfunks Berlin-Brandenburg entstand 2003/2004 die CD "LONG DISTANCE". Mit zum Teil unveröffentlichten Kompositionen und Arrangements Helmut Brandts erhält das Lebenswerk der Ausnahmeerscheinung des deutschen Jazzes eine weitere Ehrung.

Dank gilt in besonderem Maße Rolf von Nordenskjöld, der bei der Auswahl und Einstudierung der CD-Titel Meisterliches geleistet hat und dem besonderen Engagement des rbb-Redakteurs und Produzenten Ulf Drechsel. Eine Freude war es, dass der legendäre Rundfunkjournalist Karlheinz Drechsel das Booklet-Vorwort für diese CD schrieb.

Pressestimmen:

"Helmut Brandt, der legendäre Baritonsaxophonist, Komponist, Arrangeur und Bandleader, schrieb mit für ihn typischem Sound deutsche und europäische Jazzgeschichte. Rolf von Nordenskjöld, Berliner Baritonsaxophonist, Komponist und Dozent, gelingt es hier hervorragend, anhand von Brandts Kompositionen sein Erbe ohne falsche Nostalgie lebendig zu erhalten."
Johannes Anders, JAZZ'N'MORE (Schweiz) 2/05

"Eine anspruchsvolle CD im unverwechselbaren Helmut-Brandt-Sound...:"
Eingespielt im November 2003, liegt sie nun endlich vor: Die erste CD der Folgeformation von Helmut Brandt's Mainstream Orchestra. Brandicity, benannt nach einer Helmut-Brandt-Komposition und hier in dessen ursprünglicher Schreibweise – entgegen der sonst üblichen Auftrittsankündigungen "Brandticity".

Unter Leitung des berliner Baritonsaxophonisten, Orchesterleiters, Komponisten und Arrangeurs Rolf von Nordenskjöld und des langjährigen Brandt-Sidemans und Flügelhornisten Eddie Hayes führt das Septett als Erbverwalter des geradezu voluminösen Nachlasses von Helmut Brandt dessen Werk fort (siehe Jazz Podium 1/2004). Selbstverständlich enthält diese CD nur einen winzigen Bruchteil aus diesem Nachlass.

Acht der elf Titel sind von Brandt komponierte/arrangierte Originale, wovon die Titelnummer in Zusammenarbeit mit seinem Sohn Michael entstand. Mit Gershwins "Fascinating Rhythm" in Brandts Bearbeitung gibt es eine Fremdwerk, und Eddie Hayes "Hues" wurde von Brandt ebenfalls arrangiert, der sich zu solcher Arbeit stets bereit fand, war er vom Opus eines yseiner Sidemen überzeugt. Die CD schließt mit "H.B.", komponiert/arrangiert von Rolf von Nordenskjöld als Hommage an seinen Freund und auch Inspirator.

Brandt hat sich in seinem Musikerleben stets, in seinen letzten Jahren jedoch zunehmend mehr dem Schreiben konzertanter und somit höchts anspruchsvoller Werke zugewandt, was sich im Programm dieser CD widerspiegelt. So gibt es eine dreiteilige Suite ohne Namen, in der ein Spektrum von Brandts Kompositionsstil hörbar wird: Inspiration durch den von ihm hochverehrten J.S. Bach finden sich mit Fugen- und Kanonelementen ebenso, wiesolche aus der seriellen Kompositionstechnik, wobei Brandt diese unterschiedlichen Strukturpartikel auf Jazz-swingendem Fundament zu einem bruchlosen Ganzen zusammenführte.

Dabei hatte er gleichwohl das quasi schwerelose Soundbild seiner frühen Inspirationsquelle, den Westcoast-Jazz und das Miles Davis Capitol Orchestra stets im Ohr und lässt diesen Sound auch in seinen späteren Kompositionen anklingen – Transparenz seiner Musik war stets Brandts oberste Maxime. Brandicity schöpft nunmehr aus dessen überreichlichen Fundus, der zum größten Teil aus Werken besteht, die Brandt nie selbst aufgeführt hat, wofür auf dieser CD fast alle Stücke stehen. Für manche fand Brandt keinen Titel, so gab er dem Stück erstmal eine laufende Nummer, hier beispielhaft "154". Standards wie "Fascinating Rhythm" versah Brandt mit völlig unorthodoxen Arrangements.

Alle Musiker von Brandicity waren mehr oder weniger lange Zeit mit Helmut Brandt verbunden, sind demnach mit dem Material vertraut. Dennoch erfordern die anspruchsvollen Interpretationen außerordentliche Fähigkeiten der Bbandmitglieder. Es sind dies neben Rolf von Nordenskjöld und Eddie Hayes: Rainer Brennecke, zweites Flügelhorn und Trompete, Finn Wiesner, Tenorsaxophon, Johannes Gehlmann, Gitarre. Wegen unterschiedlicher Aufnahmetage gibt es zwei Varianten im Rhythmus: Marc Muelbauer und Björn Werra sind die Bassisten, Kai Schönburg und Stephan Genze die Drummer. Dank dieser erstrangigen Musiker erfahren die Interpretationen einerseits ein Höchstmaß an perfektion, zum anderen ein ebensolches Maß an musikantischer Kreativität, die Brandt trotz der durchgängig notierten Vorlage seinen Sidemen einräumte.

Eine anspruchsvolle CD im unverwechselbaren Helmut-Brandt-Sound, ganz im Geist und Sinn dieses unvergessenen großartigen Musikers, die den Wunsch nach weiteren CDs des Unikats Brandicity aufkommen lässt.
Gerhard Hopfe, Jazz Podium 1/05

Brandicity - "Long Distance" BIT 11359 ***
Der Komponist Helmut Brandt schrieb deutsche Jazzgeschichte. In den 50ern war die "Helmut Brandt Combo" eine wichtige Formation des deutschen Cool Jazz. Ende der 50er ging Brandt als Arrangeur zur Rias Big Band, deren Handschrift er 37 Jahre lang maßgeblich mitbestimmte. Nun setzt der Berliner Komponist und Saxophonist Rolf von Nordenskjöld das musikalische Erbe des 2001 verstorbenen Künstlers fort.
Er gründete das Septett "Brandicity", das aus Musikern besteht, mit denen Brandt viele Jahre zusammenarbeitete. Nordenskjöld durchforstete Brandts Nachlass und studierte auch unveröffentlichte Kompositionen ein.
Stücke wie "154" zeigen, dass Brandt zeitlebens in der Tradition des Cool Jazz verwurzelt war. Wie Brandt Gershwins "Fascinating Rhythm" in ein modernes Gewand kleidete, zeugt von Kreativität. (Antje Rößler)
Jazzzeitung 2/2005